Schwalm-Eder-Kreis ist Vorreiter in der Nutzung erneuerbarer Energien und der Energieeinsparung

Energie ist der Motor für unsere Wirtschaft und ermöglicht uns Komfort und Wohlstand. Ohne Energie gibt es keine warmen Räume im Winter und keine gekühlten Getränke im Sommer. Doch der Energieverbrauch bringt auch erhebliche Probleme mit sich. Knapper werdende Ressourcen bei den fossilen Energieträgern, die immer noch die Basis unserer Energieversorgung bilden, führen bei steigendem Energieverbrauch weltweit unweigerlich zu steigenden Kosten. Gleichzeitig müssen immer risikoreichere Verfahren herhalten, um den Energiebedarf zu befriedigen. Denken wir nur an die Havarie der BP Plattform "Deepwater Horizon“ in 2010; dies hat den Golf von Mexiko dauerhaft ökologisch geschädigt oder den Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima im Jahr 2011, mit schrecklichen Auswirkungen für Mensch und Natur.
Bei der Verbrennung der fossilen Energieträger entsteht Kohlendioxid. Dieses Treibhausgas ist ursächlich für den Klimawandel verantwortlich, der auch bei uns zu immer größeren Problemen führt. Die Häufigkeit von Extremwetterereignissen wächst sichtbar an und das hat Auswirkungen auf unsere Gesundheit, auf Wirtschaft und Gesellschaft.
Diese Aspekte fordern ein Umdenken, um die Energieversorgung langfristig zukunftsfähig zu gestalten.

 

Global denken – regional handeln

Hier führt der Schwalm-Eder-Kreis mit dem Projekt "100 regionale Schritte zum globalen Klimaschutz“ zahlreiche Maßnahmen durch, um den Energieverbrauch zu reduzieren und den verbleibenden Bedarf möglichst ökologisch zu erzeugen.
So haben umfangreiche energetische und technische Sanierungsmaßnahmen an und in unseren Gebäuden dazu geführt, dass sich der Wärmeverbrauch in den letzten 17 Jahren um 39 % reduziert hat. Da durch die Konjunkturprogramme und die beschlossene Umsetzung des Teilklimaschutzkonzeptes für die kreiseigenen Gebäude weitere Anstrengungen für den Wärmeschutz unternommen werden, wird sich die Energieeinsparung in diesem Bereich noch erheblich vergrößern.
Der restliche Energiebedarf wird zu einem sehr großen Anteil schon jetzt regenerativ erzeugt. So sorgen 44 Holzfeuerungsanlagen in kreiseigenen Gebäuden dafür, dass zur Zeit etwa 50 % der benötigten Wärme mit dem klimafreundlichen und nachwachsenden Energieträger Holz erzeugt werden.
Auch der Stromverbrauch konnte reduziert werden, obwohl die technische Ausstattung der Schulen sich erheblich verbessert hat. So wurden im Rahmen von Ganztagsangeboten in den Schulen komplette Küchen eingerichtet und die EDV-Ausstattung ausgeweitet. Trotz längerer Öffnungszeiten reduzierte sich der Stromverbrauch.
Da der Schwalm-Eder-Kreis jedoch schon seit dem Jahr 2008 ausschließlich Ökostrom für seine Gebäude bezieht, führt unser Stromverbrauch nicht zu Kohlendioxidemissionen. 
So haben wir es geschafft, die CO2 – Emissionen unserer Liegenschaften um 75 % zu reduzieren und damit den Nachweis erbracht, dass Klimaschutzziele auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu erreichen sind, denn wir haben seitdem Kosteneinsparungen bei Energie und Wasser von rd. 1,8 Mio. Euro pro Jahr!

Zusätzlich beteiligt der Schwalm-Eder-Kreis die Bevölkerung. So können seit 2003 private Investoren auf Dachflächen kreiseigener Gebäude Photovoltaikanlagen installieren. Dieses Projekt ist so erfolgreich, dass auf über 25.800 m² Dachfläche Strom für etwa 700 Haushalte erzeugt und somit die Umwelt um 1.700 t Kohlendioxid pro Jahr entlastet wird.

Umweltpädagogik

Doch nicht nur investive Maßnahmen werden vom Schwalm-Eder-Kreis durchgeführt, um den Energieverbrauch zu senken; in unseren Schulen gibt es auch zahlreiche Umweltbildungsprojekte, und zwar von der Grundschule bis zur Berufsfachschule. Unsere Schulen identifizieren sich mit diesen Projekten, was sich auch daran zeigt, dass im letzten Jahr 19 Schulen als Hessische Umweltschulen ausgezeichnet worden sind.
Das ist einmalig in Hessen!

Auszeichnungen

So viel Initiative für den Klimaschutz findet auch öffentliche Beachtung. So kommen Besuchergruppen aus Nah und Fern, um sich über unsere Projekte zu informieren. Besonders stolz sind wir jedoch auf unsere Auszeichnungen beim LivCom Award in 2007, 2009, 2010, 2012 und 2013. Bei diesem weltweiten, vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen unterstützten Wettbewerb für zukunftsfähige Kommunen haben wir mit unseren Energieprojekten in 2009, 2010, 2012 und 2013 jeweils eine goldene Auszeichnung erreicht.
Hinzu kommt noch der Deutsche Klimaschutzpreis 2010 und 2014, der vom Bundesumweltministerium vergeben wird, für das Konzept "Energie sparen an Schulen“ und für das "Technikhaus" in Melsungen.

naturkraft region - Bioenergieregion Hersfeld-Rotenburg/ Schwalm-Eder

Weitere Chancen ergeben sich in unserer ländlichen Region durch die Nutzung von nachwachsenden Energieträgern aus Forst- und Landwirtschaft. So ist es nicht verwunderlich, dass der Schwalm-Eder-Kreis gemeinsam mit dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg eine von 25 Bioenergieregionen ist. Unter dem Namen naturkraft – region haben wir bis zum Sommer 2012 ein regionales Netzwerk zu den Themen Energieeffizienz und erneuerbare Energien geschaffen. Diese Kooperation wurde im Sommer 2012 durch den Landkreis Waldeck-Frankenberg erweitert, um in ganz Nordhessen Projekte entwickeln zu können. Zusätzlich werden Informations- und Fortbildungsangebote für unsere Bevölkerung erarbeitet. Denn erst mit dem Wissen über die Möglichkeiten ergeben sich entsprechende Potenziale. Natürlich werden diese Angebote ebenfalls zielgruppenorientiert aufbereitet: Von "naturkraft macht Schule“ über unsere „Energiefüchse“ bis zum "Seniorentrainer“ werden alle Bevölkerungsgruppen bedarfsgerecht mit Informationen versorgt.

Ökologie und Ökonomie

Im Zusammenhang mit der verstärkten Nutzung von Holz und Biomasse sind in unserer Region zahlreiche neue Arbeits- und Ausbildungsplätze entstanden. Durch die Installierung von Solar – und Photovoltaikanlagen und durch die energetische Sanierung von Gebäuden haben das heimische Handwerk und unsere mittelständische Wirtschaft eine gute Auftragslage. Maßnahmen zur Energieeinsparung werden so zum Motor unsrer regionalen Wirtschaft.

Die regionale Energieversorgung hat noch einen weiteren positiven Aspekt: Zur Zeit verlassen für den Energieeinkauf etwa 800 Mio.€ pro Jahr unsere Region, denn die Wertschöpfung für Öl und Gas liegt im Nahen Osten oder in Russland. Wenn es uns gelänge, 10 % des derzeitigen Energieverbrauchs regional zu erzeugen, würden wir eine Wertschöpfung erreichen, die kein Wirtschaftsförderungsprogramm erzielen kann.

Perspektiven

Der Schwalm-Eder-Kreis ist auf einem guten Weg. Gemeinsam mit der Wirtschaft, dem Handwerk und der Bevölkerung wollen wir eine nachhaltige, klimafreundliche und zukunftsfähige Energieversorgung schaffen. Der Fokus liegt dabei auf der Energieeinsparung und der Energieeffizienz. Der verbleibende Bedarf soll möglichst regenerativ und regional erzeugt werden.